Standortbestimmung in Wembley

Zum Abschluss des Fußballjahres gewinnt das deutsche Nationalteam vor 77.768 Zuschauern gegen England im Londoner Wembley-Stadion mit 2:1. Bei diesem überzeugenden temporeichen Testspiel vor angemessener Kulisse erzielten Kapitänin Alex Popp und Klara Bühl die Tore.

Martina Voss-Tecklenburg – Foto: Uta Zorn

Martina Voss-Tecklenburg berief Sophie Kleinherne zu ihrem Debüt in die Abwehrkette neben Lena Oberdorf, Sara Doorsoun und Katrin Hendrich, vor Torfrau Merle Frohms. Sara Däbritz, Dzsenifer Maroszan und Lina Magull übernahmen die Regie im zentralen Mittelfeld. Klara Bühl stürmte über links, Sandra Starke auf dem rechten Flügel und Kapitänin Alex Popp agierte als alleinige Sturmspitze.

Nach dem frühen Aus gegen Schweden bei der WM in Frankreich standen bisher nur EM-Qualifikationsspiele auf dem Programm. Diese wurden zwar hoch gewonnen, konnten aber nicht wirklich Aufschluss darüber geben, wo sich das Team im Vergleich mit der Weltspitze befindet. Das Spiel gegen England kam zur rechten Zeit in dem von MVT angestoßenen Prozess, dem Umbau und der Verjüngung des Teams.

Merle Frohms – Foto: Uta Zorn

Das DFB-Team begann furios. Angetrieben von der 17-jährigen, so souverän auftretenden, Innenverteidigerin Lena Oberdorf, die Alex Popp schon in der 3. Minute den ersten Torschuss auflegte, einem clever agierenden Mittelfeld um Dzsenifer Marozsan und flinken Flügelflitzerinnen gab es nur eine Richtung. In der 9. Minute lupfte Marozsan den Ball über zwei Engländerinnen hinweg, Bühl erlief den Ball, legte zurück auf Hendrich, die passte auf Popp: Kopfball, Tor. Es war es ein Spiel auf ein Tor, konsequente Defensivarbeit und Präsenz in den Zweikämpfen waren der Schlüssel. Erst in der 35. Minute kamen die Engländerinnen zu ihrer ersten Torchance. Beth Mead lief nach einem Pass durch die Abwehr allein auf Merle Frohms zu. Frohms erwischte Ball und Bein: Elfmeter. Schon auf dem Weg in die Ecke wehrte Merle Frohms den von Nikita Parris straf mittig geschossene Strafstoß artistisch mit dem Fuß ab. Kurz vor der Pause gelang Englands Torgarantin Ellen White doch der Ausgleich, allerdings aus abseitsverdächtiger Position.

Klara Bühl – Foto: Uta Zorn
Lena Oberdorf – Foto: Uta Zorn

Die in allen Belangen überzeugende Lena Oberdorf, allein ihre Köpersprache war eine Augenweide, wurde im zweiten Durchgang verletzungsbedingt durch Marina Hegering ersetzt. Das Spiel blieb auch in den zweiten 45 Minuten temporeich, beide Teams wollten die Partie für sich entscheiden. Die bei einem Test üblichen zahlreichen Wechsel verliefen reibungslos. Deutschland hatte leichte Vorteile und Klara Bühl. In ihrem erst zehnten Länderspiel erzielte die 18-jährige ihr siebtes Tor. Nach Steilpass von Dzsenifer Marozsan, verlud Klara Bühl mit einer Körpertäuschung die Abwehrspielerin und hatte den Weg frei zum entscheidenden Tor in der 90. Minute.

Es war ein von allen Mannschaftsteilen überzeugender Auftritt, genau so kann es weitergehen. Fehlt nur noch die Terminierung für Testspiele gegen hochkarätige Gegnerinnen im kommenden Jahr, dann könnte der vermutlich nächste Auftritt in England bei der EM 2021 ein vielversprechender werden.

Titelfoto: Klara Bühl feiert ihren Treffer zum 2:1 - Tom Seiss
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