USA und Niederlande im Finale

Die Titelverteidigerinnen aus den USA schlagen England mit 2:1, erreichen zum dritten Mal in Folge das WM-Finale und treffen dort auf die Europameisterinnen aus den Niederlanden, die knapp mit 1:0 gegen Schweden gewannen – soweit die sportliche Kurzmeldung, aber der Reihe nach:

Die WM-Tour hat seine letzte Station in Frankreichs Fußballmetropole Lyon erreicht und wird bis zum Finale am Sonntag das Straßenbild bestimmen. Eine gute Idee, die letzten drei Spiele in einer Stadt auszutragen und dort die Fans zu versammeln.

Halbfinale USA – ENG: Starkes Spiel, prächtige Stimmung

Foto: Uta Zorn

Am Dienstag wollten die Engländerinnen den nächsten Schritt machen und gegen die USA ins Finale einziehen. Auf den Rängen hatten die amerikanischen Fans zahlenmäßig einen Vorsprung und begleiteten fast jede Aktion auf dem Platz lautstark: Von den gut 53.000 Zuschauen sollen weit über die Hälfte aus den USA angereist sein.

Foto: Uta Zorn

Zugegeben: die Sicht von der Tribüne war oft von aufspringenden Fans oder wehenden Fahnen versperrt, aber die Stimmung war prächtig und das Spiel spannend: In der 10. Minute brachte Christen Press die USA in Führung und Ellen White – die mit dem Brillen-Torjubel – glich nur kurze Zeit später aus. Alex Morgan erzielte das 2:1 noch in der ersten Halbzeit.

Auch beim spannendsten Spiel muss ein Blick zur Freundin drin sein – Foto: Uta Zorn

Im zweiten Durchgang versuchte England alles, spielte stark, konnte aber den Elfmeter in der 83. Minute nicht verwandeln – Steph Houghton schoss schwach, und Alyssa Naeher hielt. England spielt also wie 2015 um den Dritten Platz – und die USA wieder um den Titel.

Megan Rapinoe kam übrigens wegen einer leichten Verletzung nicht zum Einsatz, soll aber bis zum Finale wieder fit sein.

Weltmeisterinnen im Feiern: Die Niederlande

Gestern Abend dann das zweite Halbfinale Niederlande gegen Schweden. Moment, da gibt es ja noch ein Vorspiel: Zu jedem Match hat der niederländische Verband ein Fanfest in der Stadt mit Bus, Musik und Fanmarsch zum Stadion organisiert, an dem tausende orange gekleidete Fans teilgenommen haben: eine tolle Werbung für den Fußball.

Auch die Fans von Sam Kerr feiern mit auf der orangenen Party – Foto: Uta Zorn

Diesmal will ich live dabei sein und dann das: Die Stadt Lyon hat zuerst den Fanmarsch untersagt – zu warm und zu weit, heißt es – und dann auch das Fanfest. Doch unsere Nachbarn sind erfinderisch und lassen sich das Feiern nicht verbieten. Wie auch immer sie es geschafft haben: Der Bus kam doch noch ins Zentrum von Lyon, und hunderte spontan versammelte Fans sangen und tanzten unter dem Beifall der Lyoner ausgelassen in der Nachmittagssonne.

Halbfinale NED – SWE: Eher etwas für Taktikliebhaberinnen

Tja, ehrlich gesagt, war das auch schon das Highlight des Tages, denn die Stimmung im Stadion war trotz der beiden lautstark unterstützenden Fanblocks hinter den Toren mau. Viele US-amerikanische Fans, die wohl ein Finalpaket für alle Spiele in Lyon gekauft hatten, spielten gelangweilt mit ihren Smartphones, bestellten sich Fastfood an den Platz und verließen lange vor Ende der Partie das Stadion.

Okay, das Spiel war auch nicht mitreißend, eher etwas für Taktikliebhaberinnen, bei dem die Schwedinnen etwas besser agierten, die Niederländerin Jackie Groenen aber in der Verlängerung das entscheidende Tor erzielte. Somit stehen die Holländerinnen bei ihrer erst zweiten WM-Teilnahme erstmals im Finale, müssen aber wirklich etwas aus dem Hut zaubern, um die Titelverteidigung der US-Girls ernsthaft zu gefährden.

Es war eine herrliche Abwechslung, nicht zwischen fotografierende Kollegen die Spiele zu verfolgen, sondern von fröhlich feiernden Fans und vielen Frauenpaaren umgeben zu sein. Am Sonntag geht es wieder mit der Kamera hinter die Bande, ihr wollt doch bestimmt Fotos der Weltmeisterinnen, oder?

Titelfoto: Jubelnde Holländerinnen bestimmen das Bild bei dieser WM - Foto: Uta Zorn
Zuerst veröffentlicht am 04.076.2019 von L.MAG - Das Magazin für Lesben 
https://www.l-mag.de/news-1010/fussball-wm-usa-und-niederlande-im-finale.html
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