WM-Qualifikation: Island schlägt DFB-Team verdient mit 3:2

Die deutsche Nationalmannschaft hat ihr drittes Qualifikationsspiel gegen Island verdient mit 3:2 verloren. Tschechien gewann die Partie gegen Slovenien mit 4:0 und so rangiert das DFB-Team aufgrund des Torverhältnisses hinter Island und Tschechien nur noch auf dem dritten Platz in der Qualifikation.

Spielerin des Spiels: Dagny Brynjarsdottir, an allen Toren beteiligt – Foto: Uta Zorn

Die ersten 15 Minuten des deutschen Teams waren noch ganz ansehnlich, doch nachdem Torfrau Laura Benkarth eine Flanke mit nur einer Hand abwehrte und Dagny Brynjarsdottir zum 1:0 für die Isländerinnen einschob machte sich Unsicherheit breit. Die Kombinationen wollten nicht mehr gelingen, die Fehlpässe häuften sich und die Zweikämpfe gingen verloren. Ganze zwei Torabschlüsse gab es noch in Halbzeit eins. Den einen verwandelte Alexandra Popp nach schöner Vorarbeit von Simone Laudehr per Kopf zum 1:1 kurz vor der Pause. Alex Popp eröffnete auch gleich die zweite Hälfte mit einem Kopfball an die Latte, doch die Isländerinnen machten es besser: Langer Pass auf Brynjarsdottir, Flanke hinter die quasi nicht vorhandene Abwehr, Elin Metta Jensen tanzt Leonie Maier aus und lässt Laura Benkarth keine Chance – 2:1 (47′). Das 3:1 macht Dagny Brynjarsdottir (58′) dann selber, wieder nach einem langen Pass, sie ist einfach schneller als die deutschen Verteidigerinnen. In den letzten 20 Minuten versuchte das Jones-Team die Niederlage zu verhindern, leider zu ideenlos.

Alex Popp treibt das Angriffsspiel an – Foto: Uta Zorn

Das einzige Mittel waren hohe Bälle auf Alex Popp, die sich als einzige sichtbar gegen das Debakel zu stemmen schien. Doch darauf hatten sich die Isländerinnen längst eingestellt. Mit Lina Magull (für Melanie Leupolz 60′) und Linda Dallmann (für Simone Laudehr 70′) kam frischer Wind in die Offensive. Erst die Einwechslung von Debütantin Lea Schüller (für Leonie Maier 79′) brachte dann in der 88. Minute den Anschlusstreffer zum 2:3, doch das war zu spät. Die Isländerinnen waren den Deutschen kämpferisch, läuferisch, aber auch technisch und taktisch und vor allem mental überlegen. Zum ersten Mal konnte Island gegen Deutschland gewinnen und schiebt sich aufgrund des besseren Torverhältnisses in der Qualifikation an Deutschland vorbei.

Islands Innenverteidigerin Glodis Viggosdottir ließ den deutschen Angriff verweifeln – Foto: Uta Zorn

Sicherlich hätte die verletzte Kapitänin Dzsenifer Marozsan dem Spiel kreative Impulse geben können, doch noch deutlicher fiel das Fehlen von Kristin Demann auf. Es fehlte ein Stabilisator in der Defensive und ein Bindeglied zum Angriff im Mittelfeld. Melanie Leupolz und Lena Goeßling konnten dies auf der Doppelsechs gegen Island nicht abrufen. Die Angriffsbemühungen des DFB-Teams sind, wie schon bei der EM, für die Gegnerinnen einfach zu durchschauen. Mit einer konzentrierten Abwehrleistung lässt sich so fast alles unterbinden und die Angreiferinnen zur Verzweiflung bringen.

Steffi Jones geht auf Distanz und kritisiert ihr Team im ZDF-Interview – Foto: Uta Zorn

Steffi Jones kritisierte im Anschluss ihr Team deutlich, doch auch ihre Entscheidungen müssen kritisch hinterfragt werden. Wie es aussieht kommt die Mannschaft mit den Systemwechseln nicht klar. Bis zur EM lies sie mit Raute spielen, die ersten beiden Qualifikationsspiele mit einem flachen 4-4-2 und gegen Island wieder im jahrelang unter Silvia Neid praktizierten 4-2-3-1. Tabea Kemme brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: „Wir stehen uns gerade selber auf den Füßen. Fußballspielen kann eigentlich relativ einfach sein.“ Kemme hat Recht, Fußball kann so einfach sein. Mit dem entsprechenden Selbstvertrauen und der richtigen Einstellung aus einer stabilen Abwehr heraus clever kontern und gewinnen. Wie das geht hat Island eindrucksvoll gezeigt. Vielleicht sind die Ansätze von Jones zu ambitioniert, zu komplex für die nicht eingespielte Nationalmannschaft?

Sara Björk Gunnarsdottir und Tabea Kemme im Zweikampf – Foto: Uta Zorn

Es ist zu hoffen, dass das kommende Spiel gegen die Färöer am Dienstag, was deutlich gewonnen werden muss, nicht die grundlegenden Probleme überdeckt. Der Test im November gegen Frankreich kommt zur rechten Zeit um das Team auf die Rückspiele gegen Tschechien im April und gegen Island im September vorzubereiten. Denn da entscheidet sich, ob Deutschland sich als Gruppenerster für die Weltmeisterschaft 2019 in Frankreich qualifiziert, als Zweiter in die Playoffs muss oder gar ausscheidet.

Das Qualifikationsspiel gegen die Färöer wird am Dienstag um 16.00 Uhr live von der ARD übertragen.

 

Titelfoto: Island bejubelt das 1:0, Simone Laudehr (links) und Kathy Hendrich (rechts) können nur zusehen - Foto: Uta Zorn

One thought on “WM-Qualifikation: Island schlägt DFB-Team verdient mit 3:2

  • 22. Oktober 2017 at 19:36
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    Danke für den Kommentar. Darauf habe ich nach diesem Spiel gewartet.
    V. a. deine Sätze zu Steffi Jones finde ich ich wichtig. Ich wünsche ihr sehr den Erfolg. Aber ich frage mich auch, wo das Selbstbewusstsein der Spielerinnen geblieben ist.
    Was mich enttäuscht hat, war Steffis Kommentar nach dem Spiel. Die Schuld voll auf die Mannschaft zu schieben, ist kein guter Stil. Unabhängig von den Realitäten, die ja auch jede/r etwas anders sieht. Ich hoffe, sie reflektiert sich selbst und schiebt in der für sie brisanten Situation ihren Anteil nicht einfach weg. Das wird nämlich nicht funktionieren.

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